Der Wettskandal bei internationalen Wettanbietern
Sportwetten sind beliebt. Im Internet kann man bei verschiedenen Anbietern auf so ziemlich alles wetten. Bei Fussballspielen etwa auf einen Sieg, eine Tordifferenz, auf einen ersten Corner, Freistoss oder eine rote Karte. Dank hohen Wettquoten lässt sich mit einem richtigen Tipp sehr viel Geld verdienen. Da verwundert es nicht, dass auch Kriminelle Betrüger bei Wetten mitverdienen wollen.
Zur Zeit wird Europa von einem Wettskandal erschüttert. Mehrere Ligen sind betroffen und es werden immer mehr. Nun haben einige Medien gemeldet, dass auch Italien in einen Wettskandal verwickelt sein könnte. Auffallend ist, dass immer untere Ligen betroffen sind. Hier ist das Interesse der Medien deutlich geringer, hier verdienen die Spieler weniger und sind empfänglicher für Bestechung. Auch die Schweiz ist vom jüngsten Wettbetrug betroffen. Über 20 Spiele sollen in der Challenge League manipuliert gewesen sein. Laut Medienberichten soll der FC Thun sowie der FC Gossau in den Wettskandal verwickelt sein. Besser gesagt ein, zwei Spieler dieser Vereine. Diese Spieler sollen von den Betrügern Geld dafür bekommen haben, dass sie einen gewünschten Spielstand herbeiführen. Also beispielsweise mit einer Tordifferenz von drei Treffern verlieren. Gewettet wurde dann bei verschiedenen Anbietern vorallem im asiatischen Raum. Dort kann man auch hohe Summe auf ziemlich ausgefallene Wetten setzen, auf eine rote Karte oder einen ersten Corner. Bereits vor einiger Zeit hat die OECD in einem Bericht erwähnt, der internationale Fussball eigne sich sehr gut für Korruption und Geldwäscherei. Hohe Ablösesummen, grosse Wetteinsätze und die schlechte Buchhaltung von vielen Fussballvereinen ziehen die Betrüger magisch an. In den unteren Ligen wie der Challenge League kommen noch schlechte bezahlte Spieler hinzu. Einige Spieler verdienen Löhne unter dem Existenzminimum. Hier sieht auch Paul Schönwetter ein Problem. Der ehemalige Trainer von diversen Fussballklubs im Tessin erklärte gegenüber dem "Tagesanzeiger", der Verband müsse Mindestlöhne vorschreiben. Bis jetzt sollen Tessiner Fussballvereine nur passiv in den Wettskandal involviert sein. Doch der umstrittene Präsident des FC Sion, Christian Constantin erklärte es werde im Tessin wohl noch weitere Untersuchungen geben. Kurz darauf präzisierte er gegenüber der Zeitung "Corriere del Ticino", dass er nicht wisse ob die Fussballmannschaften im Tessin aktiv oder passiv in den Betrug verwickelt sind. Schönwetter war Trainer bei diversen Challenge League Mannschaften. So etwa bei Locarno, Baden und Bellinzona. Gegenüber dem "tagi.ch" erklärte er es sei einfach Spieler zu manipulieren, welche tiefe Löhne haben, und in der Challenge League gebe es viele davon. Er selber sei noch nie von einem Betrüger angeworben worden Spiele zu manipulieren. Dies sei für einen Trainer auch wesentlich schwieriger als für einen Spieler. Wenn er beispielsweise den besten Spieler auf der Bank lassen würde, so müsste er damit rechnen dass der Ersatzmann besonders motiviert spiele. Er habe nie mitbekommen, dass einer seiner Spieler versucht habe ein Spiel zu manipulieren, aber nach diesem Wettbetrug, denke man schon an den einen oder anderen unerklärlichen Fehler zurück.
Weitere Schweizer Fussballvereine in den Wettskandal involviert
Neben Gossau und Thun sollen weitere schweizer Fussballvereine in den jüngsten Wettbetrug involviert sein. Laut einer Meldung des Tagesanzeiger soll der bulgarische Erstligaklub Mezdra absichtlich gegen YB und Aarau verloren haben. Neusten Berichten zufolge, welche sich alle auf den Bochumer Untersuchungsbehörden stützen sollen in der Schweiz 22 Challenge-League-Spiele und sechs Testpartien manipuliert worden sein. Sportjournalisten in Bulgarien sollen den Verdacht geäussert haben es könnte sich dabei um die Partien zwischen Lokomotive Mezdra und YB sowie Aarau handeln. Der bulgarische Klub verlor die beiden Testspiele gegen die Schweizer Klubs jeweils mit 0:5. Höchst verdächtig ist die Tatsache, dass gegen YB die beiden letzten Treffer im Freundschaftsspiel per Eigentor und Penalty fielen. Der Berner Shootingstar Scott Sutter erinnert sich an die Partie gegen Mezdra, diese seien in der zweiten Halbzeit auseinander gefallen. In Freundschaftsspielen ist dies allerdings nichts wirklich Aussergewöhnliches. Ein solches Einbrechen kann auf viele Ursachen zurückzuführen sein. Harte Trainings vor dem Spiel, lange Pausen mit Ferienabsenzen usw. Deshalb sind Freundschaftsspiele wohl auch so beliebt bei Wettbetrügern.
Wettanbieter trauen Mezdra nicht mehr
Verschiedene Wettanbieter trauen Mezdras nach den jüngsten Vorfällen nicht mehr. So hat beispielsweise der Anbieter "Sportwetten 365" für die nächste Meisterschaftspartie von Mezdras die Quote für alle möglichen Ergebnisse auf 1 zu 0.98 gesetzt. Das heisst wer auf egal was für einen Ausgang einer Partie von Mezdras setzt kommt auf jeden Fall weniger Geld zurück als er eingezahlt hat.
Gestern tagte in Thun ein vereinsinterner Ausschluss. Dieser soll laut "Tagesanzeiger" beschlossen haben von jedem Spieler der ersten Mannschaft eine schriftliche Bestätigung zu verlangen, mit den Spielmanipulationen nichts zu tun zu haben. Der FC Thun drohte den Spielern mit einer Anzeige wegen Urkundenfälschung sollten sie im Nachhinein einer Lüge überführt werden. Auch der FC Gossau meldete gestern eine Suspension. Der Spieler Mario Bigoni gehört für den Moment nicht mehr zum Kader der ersten Mannschaft.
Wettskandal auch im italienischen Fussball
Viele waren erstaunt, dass Italien nicht in der Liste der in den Wettskandal involvierten Ländern aufgetaucht ist. Schliesslich werden gerade in Italien immer wieder Vorwürfe von manipulierten Partien laut. Nun wurde bekannt, dass auch italienische Klubs in den Wettbetrug verstrickt sein könnten. Laut "Tagesanzeiger" wurde der Präsident des Fussballklubs Potenza sowie acht weitere Personen festgenommen. Zur Zeit spielt Potenza in der obersten italienischen Regionalliga.
Der Wettskandal ist weltweit ein Thema. Die bekannte New York Times widmete ihr sogar eine Schlagzeile auf der Titelseite. Auf dem Bild zu sehen war der mittlerweile suspensierte Spieler des FC Gossau, Mario Bigoni. Damit ist Bigoni einer der wenigen Schweizer Sportler, welche es bis jetzt auf die Titelseite der New York Times geschafft haben. Gefreut haben dürfte dies Mario Bigoni allerdings kaum.